Endlich! Der erste warme Tag ist da! Die Lebenslust bricht aus den Pullis und Jacken, läßt diese zum ersten Mal allein daheim oder verlassen auf den Rückenlehnen der Cafés zurück, die verschlossenen Aprilwettergesichter der letzten Wochen machen eine erstaunliche Veränderung durch. Alles ist endlich wieder sanfter, entspannter, die Stimmung gar grenzt ans Zugängliche, Nonchalante, Joviale, Abenteuerlustige..
Und ich sitze mit neuen Bildern und dem festen (Experimentier)willen an einer neuen Soodlepoodle-Startbildseite. Und will alles. In einem Bild! Alles, was für mich neu ist diesen neuen Mai.
Also mal sehen: erstmal: le Frühling-

Dann entdecke ich im frisch vom Entwickeln abgeholten Bilderberg ein hochauffliegendes Mitbringsel meiner “Industrietourismus-Exkursionen”, ein extremes Weitegefühl hab ich bei solchen Bodenbildern- diese Touren zur Großbaustelle am Rhein werden übrigens so alle sechs Wochen fällig. So lange dauert es im gefühlten Durchschnitt, bis sich wieder Größeres getan hat:
Zu den vielgestaltigen Sensationen dieser speziellen Stelle in Mannheim gehört natürlich auch beim Blick übern Zaun der nach unten, übers vollgestellte Gelände auf diesen total überdimensionierten Baukasten mit diesen begeh-, ja: fast bewohnbar scheinenden Einzelbauteilen..
Es geht los: beide Industrieröhrenbilder einfach mal übereinanderlegen (denn: ich will ja alles), dann sachte ineinanderblenden. Aha: der Schornstein bleibt, bekommt allerdings eine neue räumliche Wirkung mit Wulsten, Farben und Wölbungen- der Flieger verschwindet fast vollständig in der Struktur der Röhrenteile:

Und so schält sich eine neue Form heraus in der Mitte; die sollte man mal noch etwas betonen, mit der dazugehörigen Öffnung da rechts. Also schneide ich den fehlenden Umriß aus, fülle ihn mit Schornsteinfarbe. Erinnert mich nun an Schiffsaufbauten und Blechblasinstrumente, diese Form. Aha, da gibts noch einen sichtbaren Schnitt/Übergang zur glatten Linie des rechten Schornsteinrands- also brauchts noch etwas Kosmetik, um den Übergang glatt zu bekommen, ebenso stimmen Farbübergang und -sättigung noch nicht überein:
Ok, aber nun mal links auch etwas anbauen- eine fast schon organisch-menschliche Figur, die fragmentarisch daherkommt und auch an einen Retro-Roboter mit zurückgeschlagenem Reifrock erinnert- gefällt mir!
Nun habe ich eine Übereinanderblendung zweier Bilder mit geometrischen Formen- Röhren, Stangen, Gehäuse. Aber irgend etwas fehlt noch, bislang ist mir das Bild zu durchsichtig, zu wenig geheimnisvoll.. Also drehe ich den Frühling auf links:
Und den nun schön dosiert über das Werk legen. Jo! Das fügt Struktur hinzu und verwischt die Grenzen der Ingredienzen schön weiter in Richtung Unentwirrbarkeit, denn die Tiefenwirkung der blauen Umgebung wird aufgelöst durchs Geäst und bekommt etwas Nebulöses. Also genau den angestrebten Grad an Geheimnisabbilderei:

Voilà- fertig: mein Frühling 2012, Aufbruch und Mysterium, wenn man das Bild ohne “Tour” zum ersten Mal erblickt- also alles, was der Soodlepoodle so will!
Und beim Hochladen bemerke ich ein persönliches Jubiläum, genau heute:
dies ist mein 50ster Artikel auf diesem blog
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Musik beim Schreiben:
Steely Dan: “The Royal Scam” MCA, 1976
Frank Runhof´s High Voltage “Play The Music Of Hank Mobley” 2007, Hot `n`Cool
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29. April 2012- der Tag danach. Nachschneide-Termin:
Aber das ist a) weder alles noch b) eigentlich das Interessanteste- das bemerke ich immer, wenn ich mir irgendwelche Making-Ofs als Bonus auf Spielfilm-DVDs anschaue. Es kann zwar sehr informativ sein, einen Blick hinter die Kulissen zu erhaschen. Doch da bleiben die mir immer wichtigsten Fragen offen: die nach dem kreativen Vorgang selbst.
Der oder die KünstlerIn erklärt, demonstriert, plaudert aus dem Nähkästchen, schreitet im Studio hin und her, weist mit erhobenen Armen gestenreich auf Details, zeigt Originalschauplätze, lädt live youtube-Tutorials hoch, nennt Bezugsquellen und listet genau auf, woraus dieser Kuchen en detail gebacken ist..
Aber, was genau sie/ihn dazu bewog, diese (und keine anderen) Ingredienzen auszuwählen, welche Impulse während des Vorgangs der Kreation diese eminent beeinflußt haben bleibt als Info auf der Strecke. Denn hier stößt man -auch als Verursacher- an Grenzen, die der Kommunizierbarkeit der Inspiration, des Geschmacks, der Lebenserfahrung, des persönlichen Wissens, der Stimmung zu diesem bestimmten Moment wie auch des Zufalls gesteckt sind.
Höchst fasziniert wäre ich, würde diese Art der Dokumentation jemanden bis ins Detail gelingen können, den Vorgang der Kreation festzuhalten.
Als -immerhin bemühtes- Beispiel kann ich in diesem Fall das Fortschreiten der Ideen nachzeichnen, die ich beim Gestalten des Menüs auf dem Portfolio erfuhr/vollzog, das ich gestern abend schon begann. Zum Teil aktiv, zum Teil auf eine “akzeptierende Art” passiv und ausprobierend. Stufenartig immer weiter gelangend bis zum -von mir irgendwann plötzlich als solches bestimmten- fertigen Ergebnisses. Aber: warum ich gerade besagte Bilder ausgewählt habe, die Gründe für die Reihenfolge, in der alles ablief und welche Vor- und Rückschritte bis zur Erreichen des Vollendeten ich tat: es bleibt im Unerklärbaren.
Dafür bleiben: Intuition, Impuls und Zufall. Mit diesen Bällen jonglieren meine Erfahrung, mein Wissen und mein ästhetischer Geschmack..
Den Anfang machte der Eindruck heute morgen, das entstandene Startbild sei zu massiv, zu dunkel und düster für den ursprünglichen Zweck, die Macht des Frühlingserwachens zu illustrieren. Also testete ich eine Light-Version:

Durch Schichtung der diversen Bildelemente, in Internet-Menü notwendigerweise hauptsächlich Schrift und eine sehr helle Version der “Frühlingskomponente” erhielt ich zwar den angestrebten Eindruck, doch das Wichtigste an einer Benutzerführung im Netz, die Lesbarkeit, litt in unakzeptabler Weise. Und die Schrift einheitlich mit Kasten zu hinterlegen hätte das Bild noch mehr als störend degradiert. Zu viele Köche also. So kippte ich alles auf Kontrast, sprich hier: wieder der ursprüngliche dunkle Hintergrund, helle Schrift. Diese verschob ich in einen Bereich des Bildes, das ihre Lesbarkeit fördert, ohne allzu brav nur auf gleichmäßigem Grund allein auf Funktionalität zu bauen: ein bißchen Design, Verspieltheit sollte schon sein.

Beim zweiten Blick drauf fand ich das schnell überfrachtet und irgendwie erinnerte es mich ungut an ein ebensolch überladenes Edeldesign aus den Achtziger Jahren. Also besann ich mich des reinigenden Effekts einer farbigen Schicht, die Klarheit und Detailinfos des Bildes ausbalancieren sollte. Farbwahl: DA5A67, das Weinrosarot des Hintergrundes, das ich eigentlich nur so mal die Regler hin- und herschiebend ausprobierte, das sich aber als reizvoller heller, warmer Kontrast zum dunkelblau/beigen Bild erwies.
Ebenso raus flogen die dicken Lettern des Soodlepoodles, die in transparentgelb das Plakative repräsentieren sollten, eigentlich aber zum Eindruck der Überladung nur beitrugen. Die Schrift wurde größer gezogen, die wichtigen Funktionen betont. Ebenso gab ich drei Fotos, aus denen das “Endergebnis” geworden ward gestern als Fries dazu, aber das war es ebenfalls nicht:

So geht es mir oft beim Designen: ich versuche, Störendes zu beseitigen und ernte entweder neues Störendes oder ein flaues Gefühl des faulen Kompromisses. Alles wirkt dann hauptsächlich entschärft. Dieses Himbeerrot über allem macht wieder die eigentlich für gut befundenen Idee der Darstellung der drei Ingredienzen des fertigen Bildes wieder zunichte. Also schnitt ich es an dieser Stelle weg und drehte kräftig am Sättigungsregler:

Nun waren alle angestrebten Punkte erreicht: mit einem Bild das vorhergehende Startbild grafisch/optisch zu “erklären” und diese Collage als Zitat und laufender roter Faden namens Stringenz in Einklang mit einem Menü zu bringen. Alles im Sinne eines durchdachten, nachvollziehbaren “guten Designs”. Doch nun fand ich das Look-And-Feel überladen, langweilig und über erträgliche Maßen hinaus zu konventionell. Also half nur die Tabula Rasa weiter:

Die Hintergrundstruktur weggeworfen, blieb nur das Wesentliche übrig: 14 Menüpunkte und eine grafische “Auflösung” des Startbildes, von dem man sich gerade auf diesen Bildschirm hergeklickt hat. Erstmal, ohne auf Farbe und Anordnung der Bildelemente zu achten. Wie nun weiter, mit diesem “weniger ist mehr”?
Vielleicht experimentell weitermachen? Zum fertigen Bild gehören auch noch die nahtlos integrierten, “selbstgemalten” Flecken, die Farbveränderungen= andere Formwahrnehmungen rechts und links vom beigen Mittelstück bewirken. Rezept: nur diese beiden plus in klein die drei Bilder. Wie eine Bausatzliste: “In dieser Packung enthalten sind..” Aber das Ergebnis war mir wieder zu ohrencomic-haft, auf den ersten Klick Null nachvollziehbar, welchen Zusammenhang dieses Bild mit dem davor haben könnte- also dramaturgisch suboptimal gelöst.
Ebenso paßte zu dieser elemtaren Fächenverteilung weder die verwendete Schrift noch die unterschiedlich großen Schriftgrößen. Da wäre ne kragelige Schreibschrift quer und einigermaßen schludrig durchs Bild passender gewesen. Also wieder völlig ungeeignet im vorliegende Falle.

Als gestalterische Herausforderung -nicht nur im Webfalle- erlebe ich die selbstgestellte Vorgabe einer Motivwiederholung auf a) Start-, b) Menü- und c) Blogseite, die verschiedene Aspekte in anregenden Ausschnitten und damit das Spannende am Anschauen per se optimal erreichen soll. Unter diesem Gesichtspunkt gesehen, war die Comic-Idee eine Freude & vielleicht ganz brauchbar für spätere Projekte, hatte aber hier, unter diesen Prämissen nichts zu gewinnen. Also nahm ich mir nochmal das Originalwerk her.
Ich erstellte einen beweglichen Rahmen, den man wie ein Passepartout übers große Original bewegen kann, um einen Ausschnitt zu finden, der zugleich erklärend und mysteriös im Detail wirken kann. Diese Technik hab ich auch schon zufriedenstellend bei vergangenen “Operationen am Startmenü” angewandt:

Nach allen den beschriebenen Versuchen oben vermutete ich, daß das Bild vom Menü getrennt am besten wirken würden. Also galt es, Bildteile nebeneinander statt übereinander zu platzieren. Nach kurzer Zeit fand ich den mir am besten wirkenden Ausschnitt, der mich an alte Blümchentapete und fernöstliche Kimonostoffe erinnert. Mit den invertierten Gestängen und der Schattierung als bauchige Kugeligkeit in Kombination optimal, um die Betrachter näher und gleichzeitig faszinierter vom Mysterium heranzuzoomen.

Nun bin ich bei dieser Endversion angelangt. Und zufrieden: erreicht ist Ausgewogenheit in Bild-Text, Farbe und Fläche und die wichtigen Punkte sind sofort erkennbar: es geht um Fotografie, ein Klick zur Info =blog, einer zu den versammelten Bildern =overview. Diesen Überblick lasse ich seit Neusten von Google zusammenstellen, das natürlich völlig andere Kriterien zum “Bilderranking” anwendet als ich. Oben rechts die brav versammelten Menüpunkte, vom Urheber persönlich ausgesucht und handeingepflegt.
Mit dieser zwei gegenläufige Strategien simultan verfolgenden Seite bin ich äußerst d´accord: vorher Unbekanntes erlangt Gestalt(ung) und Inspirationspotential. Beides in einem, wenn auch manchmal längere Zeit benötigenden Arbeitsvorgang verwirklicht. Das Schönste: diesen Anregungseffekt gibts nicht nur für die Betrachter des Endergebnisses, sondern vor allem für mich als Macher.
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Musik beim Schreiben:
Massive Attack: “100th Window” Virgin, 2003
Cypress Hill: “Black Friday” Sony, 1993
Stanley Turrentine:”Salt Song” Epic, 1971
Miles Davis: “Kind Of Blue” CBS, 1962
Bob Curnow´s L.A. Big Band: “Plays The Music Of Pat Metheny And Lyle Mays” The Mama Foundation, 1994